Wohin steuert der Tourismus auf Jasmund?
Jasmund – Tourismus zwischen Natur, Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklung
Die Halbinsel Jasmund gehört zu den landschaftlich markantesten Regionen der Insel Rügen. Kreideküste, Nationalpark, Ostsee, Hafenstandorte und traditionsreiche Orte prägen einen Raum, in dem Naturschutz, Tourismus, Wohnen und wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar aufeinandertreffen.
Im Jahr 2019 beschäftigte sich Prof. Dr. Benjamin Beug in einem Fachbeitrag mit der Frage, wie sich der Tourismus auf Jasmund entwickelt und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Region ergeben.
Der Beitrag erschien im Jasmunder Heimatheft Nr. 7 und verbindet touristische Fragestellungen mit Überlegungen zu Infrastruktur, Mobilität, Nachhaltigkeit, regionaler Entwicklung und den Auswirkungen touristischer Nutzungen auf Orte und Immobilien.
Wohin steuert der Tourismus auf Jasmund?
Autor:
Prof. Dr. Benjamin Beug
Veröffentlicht:
2019
Publikation:
Jasmunder Heimatheft Nr. 7
Herausgeber:
Stadtarchiv Sassnitz
Verlag:
Edition Pommern
ISBN:
978-3-939680-56-7
Wie kann sich Jasmund touristisch weiterentwickeln?
Touristische Destinationen konkurrieren um Gäste, Investitionen und Aufmerksamkeit. Gebäude, Hotels oder einzelne Freizeitangebote können an vielen Orten entstehen.
Die Landschaft Jasmunds hingegen ist nicht beliebig reproduzierbar. Kreideküste, Nationalpark und die besondere Verbindung von Wald und Ostsee bilden einen eigenständigen Standortfaktor.
Der Fachbeitrag untersucht deshalb, wie diese besonderen Qualitäten erhalten und gleichzeitig für eine wirtschaftlich tragfähige touristische Entwicklung genutzt werden können.
Die Natur als nicht kopierbarer Standortvorteil
Ein zentraler Gedanke des 2019 veröffentlichten Beitrags ist die Unterscheidung zwischen austauschbaren und nicht austauschbaren touristischen Standortfaktoren.
Hotelkonzepte, gastronomische Angebote, Freizeitattraktionen oder technische Infrastruktur können grundsätzlich auch an anderen Urlaubsorten geschaffen werden. Die Landschaft Jasmunds mit ihrer Kreideküste, den Buchenwäldern und dem Nationalpark ist dagegen unmittelbar mit diesem Teil Rügens verbunden.
Gerade daraus ergibt sich die Frage, wie touristische Wertschöpfung und der Schutz der landschaftlichen Besonderheiten langfristig miteinander verbunden werden können.
Kreideküste und Nationalpark
Die landschaftlichen Besonderheiten Jasmunds sind ein wesentlicher Grund für die touristische Attraktivität der Region und gleichzeitig besonders schützenswert.
Mobilität und Erreichbarkeit
Für einen attraktiven Tourismusstandort reicht das Reiseziel allein nicht aus. Entscheidend ist auch, wie Gäste ihre Unterkunft, Ausflugsziele und touristische Angebote erreichen.
Qualität statt Austauschbarkeit
Ein langfristig tragfähiger Tourismus sollte die spezifischen Qualitäten des Standortes stärken, statt ausschließlich auf quantitatives Wachstum und austauschbare Angebote zu setzen.
Sassnitz, Lohme, Glowe und der Nordosten Rügens
Die touristische Entwicklung im Nordosten Rügens ist nicht einheitlich. Hafenstadt, Küstenorte, Ferienhausgebiete und ländlich geprägte Bereiche besitzen unterschiedliche Voraussetzungen und Zielgruppen.
Sassnitz verbindet beispielsweise Wohnstandort, Stadthafen, maritime Wirtschaft und Tourismus mit der unmittelbaren Nähe zum Nationalpark Jasmund. Lohme wird durch seine Küstenlage und die Nähe zur Nationalparklandschaft geprägt. Glowe besitzt wiederum eine andere touristische Struktur mit Strand-, Ferienwohnungs- und Ferienhausangeboten.
Solche unterschiedlichen Ausgangsbedingungen machen deutlich, warum eine regionale Tourismusstrategie nicht allein aus der Betrachtung einzelner Übernachtungszahlen oder Bauprojekte entwickelt werden kann.
Die „letzte Meile“ als touristischer Standortfaktor
Bereits im Fachbeitrag von 2019 spielte die Verbindung zwischen den großen Verkehrsknotenpunkten und dem tatsächlichen Urlaubsziel eine wichtige Rolle. Diese sogenannte „letzte Meile“ entscheidet mit darüber, wie komfortabel eine Destination ohne eigenes Fahrzeug erreichbar und innerhalb der Region nutzbar ist.
Häfen, Bahnhöfe und überregionale Verkehrsverbindungen entfalten ihren touristischen Nutzen erst dann vollständig, wenn auch die Weiterreise zu Hotels, Ferienwohnungen, Sehenswürdigkeiten und Gemeinden funktional organisiert ist.
Mobilität ist damit nicht lediglich ein Verkehrsthema, sondern Bestandteil der touristischen Standortqualität.
Ferienimmobilien verändern nicht nur den Tourismus
Ein weiterer Aspekt des Fachbeitrags war die zunehmende Bedeutung von Ferienwohnungen und Ferienhäusern außerhalb klassischer Hotelstrukturen. Diese Entwicklung wird häufig unter dem Begriff der Para-Hotellerie zusammengefasst.
Ferienimmobilien können touristische Kapazitäten schaffen und private Investitionen ermöglichen. Gleichzeitig können überwiegend touristisch genutzte Quartiere außerhalb der Saison deutlich weniger belebt sein als dauerhaft bewohnte Wohngebiete.
Damit berührt die touristische Entwicklung unmittelbar auch Fragen der Stadt- und Ortsentwicklung sowie des Immobilienmarktes.
Ganzjährige Strukturen
Eine touristisch erfolgreiche Region benötigt neben Übernachtungsmöglichkeiten auch dauerhaft funktionierende Infrastruktur, Dienstleistungen und Versorgungsangebote.
Einwohner und Gäste
Touristische Entwicklung betrifft nicht ausschließlich Urlauber. Veränderungen von Infrastruktur, Verkehr und Bebauung wirken auch auf die dauerhaft in der Region lebende Bevölkerung.
Natur und Wirtschaft
Die wirtschaftliche Nutzung der touristischen Attraktivität Jasmunds steht in unmittelbarer Beziehung zum Erhalt genau jener Landschaft, die einen wesentlichen Teil dieser Attraktivität begründet.
Touristische Entwicklung benötigt Akzeptanz
Größere touristische und bauliche Projekte können das Erscheinungsbild, die Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung einer Region über viele Jahre prägen.
Der Fachbeitrag von 2019 thematisiert deshalb auch die Bedeutung von Transparenz und Bürgerbeteiligung bei umfangreichen Entwicklungsprojekten.
Gerade in touristisch sensiblen Regionen sind wirtschaftliche Interessen, Landschaftsschutz, kommunale Entwicklung und die Interessen der Einwohner miteinander abzuwägen.
Sanfter Tourismus als Entwicklungsansatz
Der Beitrag plädiert für eine Entwicklung, bei der wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschließlich über steigende Gästezahlen definiert wird. Qualität, Individualität und Nachhaltigkeit können gerade für einen landschaftlich sensiblen Standort eine wichtige Rolle spielen.
Ein solcher Ansatz kann beispielsweise Mobilität, regionale Wertschöpfung, Naturerlebnis, hochwertige Angebote und die Vermeidung unnötiger Belastungen miteinander verbinden.
Entscheidend ist dabei die Frage, welche Form des Tourismus langfristig zum Charakter einer Region passt und gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige Entwicklung ermöglicht.
Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2019
Der Fachartikel dokumentiert den Blick auf die touristische Entwicklung Jasmunds im Jahr 2019. Einzelne Projekte, Rahmenbedingungen und Marktverhältnisse können sich seit der Veröffentlichung verändert haben.
Die grundlegenden Fragestellungen – das Verhältnis von Tourismus und Naturschutz, Mobilität, saisonaler Nutzung, Infrastruktur, Ortsentwicklung und regionaler Wertschöpfung – besitzen jedoch eine Bedeutung, die über den damaligen Veröffentlichungszeitpunkt hinausgeht.
Tourismus beeinflusst auch den Immobilienmarkt
Touristische Nachfrage, Infrastruktur, Nutzungsmöglichkeiten und die Attraktivität eines Standortes können auch den Immobilienmarkt beeinflussen. Besonders auf Rügen treffen klassische Wohnnutzung, Feriennutzung, Kapitalanlage und touristisch geprägte Immobilienmärkte teilweise unmittelbar aufeinander.
Bei der Bewertung einer Ferienimmobilie genügt deshalb nicht allein die Betrachtung von Wohnfläche und Gebäudezustand. Auch Mikrolage, Nutzungsmöglichkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen, touristische Nachfrage und die konkrete Marktposition sind zu berücksichtigen.
Prof. Dr. Benjamin Beug verbindet die wissenschaftliche Beschäftigung mit Tourismus- und Immobilienmärkten mit der praktischen Tätigkeit als Immobilienbewerter und Immobilienmakler auf der Insel Rügen.
Veröffentlichung und Quelle
Der vollständige Fachbeitrag von Prof. Dr. Benjamin Beug erschien 2019 im Jasmunder Heimatheft Nr. 7, herausgegeben vom Stadtarchiv Sassnitz und veröffentlicht bei Edition Pommern.
ISBN 978-3-939680-56-7
Jasmunder Heimathefte bei Edition Pommern →Immobilienbewertung und Immobilienverkauf auf Rügen
Prof. Dr. Benjamin Beug
Prof. Dr. Benjamin Beug ist Professor für Immobilienbewertung und Diplom-Sachverständiger (DIA) für die Bewertung bebauter und unbebauter Grundstücke, für Mieten und Pachten sowie für die Beleihungswertermittlung.
Als zertifizierter Gutachter nach DIN EN ISO/IEC 17024 und zertifizierter Immobilienmakler nach DIN EN 15733 verbindet er wissenschaftliche Immobilienbewertung mit praktischer Marktkenntnis und Immobilienvermittlung.
Dr. Beug Immobilien ist auf der Insel Rügen und in Hamburg tätig.
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Dr. Beug Immobilien verbindet regionale Marktkenntnis mit qualifizierter Immobilienbewertung und professioneller Immobilienvermittlung.
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